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Oldies, but Goldies!

IGOOO lädt einmal im Jahr zum großen Oldtimer-Treffen ein

von Klaus Müller


„Wo geht’s denn hier bitte zum Stammtisch?“ Der nette Mensch im Blaumann auf dem Gelände an der Lilienthal-, Ecke Heinestraße in Osterfeld gibt sein Bestes: „Geradeaus über den Hof, dann links in die Garage rein, quasi nach dem ersten hinteren Kotflügel scharf rechts abbiegen, die Treppe rauf - und immer der Nase nach.“ - Bin ich hier eigentlich richtig? „Stammtisch der IGOOO“ steht an diesem Dienstagabend auf meinem Zettel, und als wenn nicht alles schon kompliziert genug wäre, ist da auch noch der vollständige Vereinsname notiert: „Interessengemeinschaft Oberhausen-Osterfelder Oldtimerfreunde“. Oha, Gesundheit! Und warum stehen jetzt hier nur mehr oder weniger moderne Fahrzeuge von Kia & Co. herum? Okay, ich will die Garage tatsächlich schon „links liegen lassen“, da öffnet jemand von innen mit Schwung eben diese Tür - und ich kriege den Mund nicht mehr zu.

Vor mir steht die „Traumkarte“ meines uralten Auto-Quartett-Spiels: der Jaguar E, nur diesmal nicht als Foto mit dem beeindruckenden Datenblatt, das alle Mitspieler sprichwörtlich „alt“ aussehen ließ, sondern als wahrhaftiger Traum aus Chrom und Blech. Gleich daneben ein schnittiger Alfa Spider und ein etwas behäbig daher kommender Mercedes Pagode, und vorne rechts ein Ford Capri I. Den durfte mein Cousin Michi als ersten fahrbaren Untersatz sein Eigen nennen. Ich habe heute noch dieses typische Gluckern in den Ohren, wenn bei rasant genommenen Kurven oder abrupten Bremsmanövern der Sprit im wohl wenig geräusch-isolierten Tank kräftig durchgeschüttelt wurde. Fürwahr: Oldies, but Goldies!

„Schöne Autos, oder?“, stellt jener Hüne von Mann, der da gerade das Tor zum automobilen Paradies geöffnet hat, eine wirklich mehr als rhetorische Frage. „Herzlich willkommen bei den Osterfelder Oldtimerfreunden. Ich bin Hans-Georg Gosda.“ Ich verkneife mir beim Anblick des doch sicher immens wertvollen Fuhrparks die scherzhafte Gegenfrage „Quanta Gosda?“ - und „steige“ ein.


Der „Multi“ erklettert vor mir die steile Holztreppe zum Garagen-Clubraum. So facettenreich bereits die Oldtimer-Sammlung eine Etage tiefer war, so breit gefächert sind auch die Aufgaben und Ämter des Hans-Georg Gosda: Hauptberuflich Geschäftsführer der unter gleicher Anschrift firmierenden „Cardoc Autoklinik GmbH“; nebenbei Vorsitzender der „WEGO“, der Werbegemeinschaft Osterfeld; und Gründer sowie Vorsitzender der Ende 2003 ins Leben gerufenen „IGOOO“. Fast alle der aktuell 15 Mitglieder sitzen nicht etwa in Sofa-Ensembles, sondern vornehmlich auf Gartenstühlen beieinander.

Stilbruch? Von wegen! Haben Sie schon mal in einer „2CV“, einer der berühmt-berüchtigten „Enten“ des französischen Herstellers mit dem Doppelwinkel im Logo, sprich: Citroen, hinter dem „Volant“ Platz genommen? Dann wissen Sie, dass jedes Balkon-Möbel der jüngsten Generation dem Campinggestühl-geplagten Fahrer- und Beifahrer einer „Ente“ den Gang zum Orthopäden erspart.
„Wir müssen bei der Planung und Organisation des nächsten Oldtimer-Treffens in Osterfeld so langsam Gas geben“, leitet Hans-Georg Gosda treffend auf d a s alljährliche Event der IGOOO über. „Historisch“ betrachtet ist dieses Projekt, das im Jahre 2004 seine viel beachtete Premiere feierte, gerade über’n TÜV. Jetzt geht es ans Feintuning der vierten Veranstaltung, denn am 20. Mai 2007 sollen ab 9 Uhr wieder rund 50 Oldtimer-Besitzer mit und in ihren fahrbaren Untersätzen durch Oberhausen rollen. Dabei kommt es übrigens in keiner Weise darauf an, wie viele PS unter der jeweiligen Motorhaube stecken. „Wir veranstalten kein Zeitfahren. Der Letzte kann bei uns durchaus der Erste sein“, betont Hans-Georg Gosda. Der Spaß steht im Vordergrund.
Entlang der von Gosda und seinem Team ausgeklügelten Route erwarten die Schnauferl-Besitzer unterschiedliche Aufgaben. Mal gilt es, an vorab festgelegten Stationen - zum Beispiel an der Burg Vondern - Wissensfragen möglichst richtig zu beantworten; mal sind Geschicklichkeitsübungen mit dem Fahrzeug zu absolvieren. „Da wir wissen, welche Oldtimer unterwegs sind, stecken wir unter anderem maßgeschneiderte Parklücken mit Pylonen ab - und dann muss ohne Rempler eingeparkt werden“, so Gosda.

Start und Ziel ist der Osterfelder Marktplatz, wo der 51 Jahre alte gelernte Kfz-Mechaniker jeden einzelnen Teilnehmer der „Stadt-Rallye“ persönlich begrüßt, die Fahrzeuge ausführlich vorstellt und dann auf die Reise schickt. Sind alle Schnauferl zurück, geht die Party erst richtig los. „In den letzten Jahren präsentierten jeweils rund 150 Oldtimer-Besitzer ihre fahrbaren Untersätze. Viele Fahrer nehmen dabei eine weite Anreise in Kauf, einige kamen sogar aus Holland“, erinnert sich Gosda. Die IGOOO lässt sich denn auch nicht lumpen und verleiht fleißig Pokale - zum Beispiel für den Besitzer des ältesten Fahrzeugs, für den ältesten Teilnehmer der „Rallye“ und natürlich auch für den Fahrer mit den wenigsten Fehlerpunkten. Bei einer Tombola sind darüber hinaus hübsche Preise zu ergattern.

„Mein besonderer Dank gilt der Osterfelder Kaufmannschaft, die uns alljährlich perfekt unterstützt“, betont Gosda, dem der Schraubenschlüssel schon mit in die Wiege gelegt wurde. „Ich war noch keine zehn Jahre alt, da hab’ ich bereits in der Werkstatt eines Zweirad-Shops ausgeholfen.“ Später „dokterte“ er dann in jeder freien Minute am Opel Rekord seiner Eltern herum, ehe das Hobby endgültig zum Beruf wurde. 1981, den Meisterbrief gerade erst in der Tasche, machte sich Gosda mit seiner Kfz-Werkstatt selbstständig.

Mein Blick fällt auf diverse Urkunden und Pokale. „Ja, früher, so in den 70ern, da hab’ ich auch aktiv Motorsport betrieben“, erläutert der IGOOO-Vorsitzende. „Da fegte ich noch in meinem BMW der 02er Serie oder in meinem Ford Capri im Tourenwagen-Langstrecken-Bereich über die Rennstrecken. Heute bin ich dafür schlicht und ergreifend ein wenig zu schwer“, lacht Gosda und klopft sich auf seinen „Airbag“. Jetzt lässt er es etwas ruhiger angehen, auch wenn ihn und sein Team die Organisation des jährlichen Oldtimer-Treffens ganz schön „auf Touren“ bringt. „Die Routen müssen ausgearbeitet, mehrmals abgefahren und schließlich bei der Stadt angemeldet werden, dann gilt es, die Fragen und Geschicklichkeitsübungen auszutüfteln, und, und, und...“, erläutert Gosda. Darüber hinaus veranstalten die Osterfelder Oldtimerfreunde regelmäßige Wochenend-Ausfahrten, Ausflüge und Besuche bei anderen Schnauferl-Clubs.

Wann ist ein Auto eigentlich ein Oldtimer? „Wir verfolgen die Ü30-Philosophie - also 30 Jahre und älter“, so Gosda. Außerdem sollte es sich um gepflegte, erhaltenswürdige Modelle mit historischem Wert handeln. Anders als bei fahrzeuggebundenen Clubs widmet sich die IGOOO allen Marken und Typen - und auch historische Mopeds und Motorräder sind nicht nur bei den jährlichen Oldtimer-Treffen stets gerne gesehen.

Die derzeit 15 Mitglieder treffen sich - so wie heute - an jedem ersten Dienstagabend eines Monats im urgemütlichen Clubheim, um die weiteren Aktivitäten zu diskutieren oder ganz einfach nur zu fachsimpeln. Die heutige Versammlung ist geschlossen. Und damit leider kurze Zeit später auch die mit einer modernen Alarmanlage perfekt gesicherte Garage, wo ich noch einmal neidisch „meinen“ Jaguar E betrachte. Einfach ein toller Anblick, dieses Auto - und ähnlich selten wie jenes Glücksgefühl von vor weit über 30 Jahren, mit der entsprechenden Traumkarte in der Hand beim Quartettspiel als Sieger ins Ziel zu kommen.



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